Christine in Thailand

Sunday, February 12, 2006

Karen Revolution Day

Die Fahrt nach Mu Aye Pu
Mit einem vollbeladenem Pick-up mit Getränken, Rucksäcken, Decken, Lebensmitteln und vielem mehr sind wir um 10.30 Uhr in Richtung Norden aufgebrochen. Nach gut zwei Stunden Autofahrt durch eine unwahrscheinlich schöne tropische Landschaft immer am Grenzfluß zu Burma entlang, sind wir mit unserem Gepäck und den Vorräten durch den heißen Sand runter zum Fluß gelaufen und von dort aus mit einem Holzboot über den Fluß auf die andere Seite. Auf der anderen Flußseite angekommen, sind wir durch das „Herzlich Willkommen“-Tor ins Militärlager zu Tasanees Kiosk gelaufen.
Unser erstes Bad im Mae Nam Moei
Nach einer kurzen Pause sind Elena und ich mit der Absicht im Fluß schwimmen zu gehen, zuerst um den Hauptplatz herumgelaufen. Dort haben bereits einigen Männern begonnen eine große Hauptbühne aus Bambusstäben und vielen bunten Tüchern und eine kleine Seitenbühne mit der Nationalflagge vom Karen State aufzubauen. Wir unterdessen sind den Trampelpfad weiter flußaufwärts gelaufen. Auf der einen Seite hohe, sehr steil abfallende und dennoch bewaldete Berge und auf der anderen Seite der Fluß. Nach ungefähr 20 Minuten sind wir ganz runter zum Fluß gelaufen, um dort eine gute Stelle zu finden, an der wir baden könnten. Trotz der an manchen Stellen sehr schnellen Strömung wagten wir uns ins Wasser und es tat richtig gut, sich nach der langen Autofahrt abfrischen zu können. Hin und wieder hörten wir nicht weit von uns entfernt Kinderlachen und sahen, wie sich die Büsche neben uns bewegten. Wir waren uns sicher, daß wir beobachtet werden und so versuchten wir, nachdem wir aus dem Wasser gekommen waren und uns etwas abgetrocknet hatten, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Leider konnten wir uns nicht wirklich mit ihnen unterhalten, da wir kein Karen sprechen und sie anscheinend kein Englisch. Nichtsdestotrotz schenkten wir ihnen ein paar Kaugummis, bevor wir uns auf den Weg zurück zu Tasanee machten. Langsam realisierte ich, daß die Gegend rum um das Militärlager unwahrscheinlich schön war und einen sehr friedlichen Eindruck machte. Im Grund nahezu unvorstellbar, angesichts der Situation in dieser Gegend.
An Tasanee Kiosk angekommen, brachte uns die älteste Tochter von Tasanees Bruder, Christoph, zu ihrem Elternhaus, in dem wir die nächsten Nächte schlafen durften. Als wir ankamen, wurden wir gleich von Gloria, Christophers Frau begrüßt und willkommen geheißen. Sie spricht sehr gut Englisch und so kamen wir gleich mit ihr ins Gespräch und sie zeigte uns die Gegend.
Am Abend nutzte ich dann das erste Mal die Gelegenheit mir lange Zeit den wunderschönen Sternenhimmel anzuschauen und es dauerte nicht lange und ich erblickte eine Sterneschnuppe. Glücklich und voller Eindrücke vom Tag gingen Elena und ich bald darauf mit zwei Mädchen von Christopher und Gloria nach Hause…
Die Mu Ay Pu School und die Rahmenbedingungen in Mu Ay Pu
Die erste Nacht in Burma ist vorbei und ich schlief überraschend gut auf dem harten Holzboden neben Elena. Nach dem Aufstehen mit einer Tasse Kaffee gestärkt, marschierten wir beide mit der ältesten Tochter von Christopher und Gloria, zur Mu Aye Pu School. Die Schule besitzt eine alte, fußbetriebene Penguin Nähmaschine, mit der unsere beiden gestern erst gekauften Sarongs genäht wurden. Die meisten Häuser hier stehen wie auch die Mu Ay Pu Schule auf Holzpflöcken (Regenzeit), die bis unters Dach reichen und dem Haus seine Stabilität verleihen. Bei den meisten Häusern bestehen die Wände aus geflochtenen Bambusmatten oder einigen einfachen, zusammengenagelten Holzbrettern, die ungefähr 1 Meter hoch sind und so noch genug Freiraum bis zum Dach lassen, um hinaus schauen zu können. Die Dächer sind nahtlos mit getrockneten, sehr reißfesten Blättern gedeckt. Einige Häuser haben sogar einen 1. Stock, der mit einer Holzleiter im inneren zu erreichen ist. Viele Häuser bestehen aus einem großen Raum, in dem die ganze Familie zusammenlebt, schläft und ißt oder in dem alle Kinder zur gleichen Zeit von unterschiedlichen Lehrern unterrichtet werden. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie es funktionieren soll unter solchen Bedingungen gut unterrichten und konzentriert lernen zu können. Leider konnten wir dies nicht sehen, da die Schule über Karen Revolution Day geschlossen war. Zudem ist es für mich nur sehr schwer vorstellbar, wie die Häuser insbesondere die Dächer wirklich Schutz in der Regenzeit bieten können. Die einzigen richtigen Steinbauten sind die High School neben dem großen Fußballfeld in der Siedlung, in der wir schlafen durften, und die Klinik sowie ein paar vereinzelte Häuser, die mit Metall- oder Wellblech-Dächern ausgestattet sind und die Regenzeit unbeschadet überstehen müßten. Aus diesem Grund war ich auch etwas überrascht, als ich bemerkte, daß sowohl im Militärlager als auch in der Siedlung, in der wir nächtigten gut funktionierende Wasserleitungen installiert sind und es zu mindestens im Militärlager sowie um den Hauptplatz Strom sprich elektrisches Licht gibt. Es gab zwar hin und wieder Stromausfälle, aber es war dann auch kein großes Problem die Generatoren nach einiger Zeit wieder zum Laufen zu bringen.
Der Besuch einer richtigen Natur-Höhle
Nach dem Frühstück besuchten Elena und ich mit Jeffrey, der auch sehr gut Englisch spricht und den wir am gestrigen Abend kennengelernt hatten, und den Kindern von Gloria und Christopher die historische Höhle direkt am Fluß. Elena und ich waren begeistert und ich wollte gerade meine Taschenlampe holen, als Tasanee mich fragte, ob ich Kerzen hätte. Ich war überrascht und fragte sie, ob ich nicht meine Taschenlampe mitnehmen sollte. Aus einem für mich nicht ganz nachvollziehbarem Grund war es nicht möglich in die Höhle Taschenlampen mitzunehmen und so machten wir uns mit einem Päckchen Kerzen und einem Feuerzeug auf dem Weg zur Höhle. Zuerst marschierten wir über den Hauptplatz und dann in Richtung Mu Aye Pu Schule. Nach ungefähr 500 Meter gingen wir nach links einen steilen Abhang hinunter in Richtung Fluß und folgten dem Trampelpfad, der direkt in die Höhle mündete. Wir krochen durch einen kleinen Spalt, zündeten unsere Kerzen an und gingen immer weiter tiefer in die Höhle hinein. An den genauen Weg kann ich mich im nachhinein gar nicht mehr erinnern, da wir ziemlich schnell gingen und ich keine Zeit hatte mich zu orientieren. Ich war zu sehr damit beschäftigt mit der Kerze in der einen Hand den Weg zu suchen, dabei langsam Schritt für Schritt weiterzugehen und mich mit der anderen Hand am Fels festzuhalten, um zu vermeiden in den Fluß zu fallen, der sich direkt unter uns befunden hatte. In der Höhle war es absolut dunkel und an manchen Stellen sehr rutschig und an anderen wieder sehr eng, so daß ich nur mit Mühe vorwärts gekommen bin. Zu meinem Erstaunen war es aber nicht kalt oder feucht, wie ich dies von den anderen Naturhöhlen kannte, in denen ich schon zuvor war. Nach ungefähr 10 oder 15 Minuten blieben wir stehen und die Jungs beschlossen an dieser Stelle schwimmen zu gehen. Ich war etwas überrascht von ihrem Plan und beschloß lieber nicht in der Höhle sondern eher draußen im Freien bei Tageslicht schwimmen zu gehen. Und so nutzte ich die Zeit mir die Höhle genauer zu betrachten. Mit Erstaunen stellte ich fest, daß die Steinstrukturen an Wänden und Decke unvorstellbar ausgeprägt und unberührt wirkten. Ich war absolut fasziniert und ich hätte noch Stunden damit zubringen können mir die Höhle ganz genau anzusehen. Dennoch beschlossen Elena und ich nach einigen Minuten die Höhle auf eigene Faust zu verlassen und die Jungs in Ruhe baden zu lassen. Ein guter Freund von Jeffrey wollte uns aber nicht alleine gehen lassen und so kamen er und die Mädchen von Christopher und Gloria mit, um uns den Weg ins Freie zu zeigen. Der Weg nach draußen dauert nicht mal halb so lange wie der Weg in die Höhle und so waren wir nach wenigen Minuten wieder im Freien und gingen zu einer kleinen aber sehr schönen Bucht am Fluß.
Die Bedeutung von Mae Nam Moei
Dort trafen wir auf ein Karen-Ehepaar, das gerade einen gelben Teig in einem großen Eimer knetete. Sie waren sehr beschäftigt und ließen sich von uns nicht aus der Ruhe bringen. Ich war richtig neugierig und wollte unbedingt wissen, was sie aus dem gelben Teig wohl machen würden. Nachdem dieser vorbereitet war und sie die Schüsseln säuberten, schwammen Elena und ich mit den anderen im Fluß um die Wette. Das Wasser war toll und wir hatten ne Menge Spaß. Wir kamen gerade aus dem Wasser, als das Karen-Ehepaar anfing aus dem Teig Nudeln zu machen. Sie arbeiteten Hand in Hand und ich schaute ihnen fasziniert zu, wie der Mann den Teig durch das Nudelsieb drückte und die fertigen Nudeln ins Wasser gleiten ließ und wie die Frau die fertigen Nudeln wusch und fein säuberlich in eine dafür mit Blättern ausgelegte Schüssel legt. Es war schon recht erstaunlich, wie jemand mit so einfachen Mitteln so schnell einen riesigen Berg an Nudeln produzieren kann. Dabei erinnerte ich mich an meine Semmelknödel, die ich in der Wildnis von Sizilien auf einem einfachen Gaskocher gemacht hatte und mußte wirklich schmunzeln. Ganz abgesehen davon, stellte ich wieder einmal fest, während ich den beiden beim Nudeln machen zu sah, wie lebensnotwendig für die Menschen dort der Mae Nam Moei ist. Sie nehmen das Wasser wirklich für alles her. Sie baden im Fluß, sie waschen sich und ihre Kleidung im Fluß und sie brauchen das Wasser, um zu kochen und u. a. Nudeln dort zu machen.
Vorbereitungen für den Karen Revolution Day
Nach dem Schwimmen gingen wir zurück ins Militärlager, um uns dort etwas auszuruhen und die Vorbereitungen für den Karen Revolution Day zu beobachten. Überall standen Menschen, die einen waren beschäftigt zwei Schweine ins Militärlager zu schaffen, andere unterhielten sich miteinander und lachten, die Kinder liefen zwischen ihren Beinen umher, spielten oder versuchten die Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf sich zu ziehen. Ich saß daneben beobachtete das bunte Treiben…

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